Pflege – Ein Beruf mit Herz und Verstand

Praxisunterricht: Johanna Dunstorff an einem der Pflegebetten mit Übungspuppe

„Cool“ soll der Pflegeberuf wieder werden, hatte es Franziska Giffey im Kampf gegen den Pflegenotstand und im Zuge der angestrebten Reformen formuliert. Wörtlich würde Johanna Dumstorff die Beschreibung zwar nicht unbedingt übernehmen wollen, inhaltlich stimmt sie der Familienministerin jedoch zu. „Er ist schön und wichtig und ich schätze ihn sehr“, sagt die Friesoytherin, die seit 30 Jahren junge Menschen in der Ausbildung begleitet.
„Und es hat sich einiges verändert“, sagt die Hauswirtschaftsleiterin und Fachpraxislehrerin an den Berufsbildenden Schulen, die im Sommer in den Ruhestand geht. 1980 fing sie dort an, „und damals gab es nur die Hauswirtschaft“, erinnert sich die 65-Jährige. Zehn Jahre später setzte sie sich mit ihren Kolleginnen dafür ein, dass die zunächst eingeführte Schulform Sozialpflege eine erfolgreiche Entwicklung nahm. Noch zu einer Zeit, als es nordkreisweit lediglich in Bollingen ein Altenpflegeheim gab. Johanna Dumstorff bildete sich selbst stetig weiter und vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern bis heute Anspruch und Herausforderung theoretische Inhalte praktisch umzusetzen. Zurzeit trifft sie sich nur mit Abschlussklassen, mit allen anderen ist sie online in Kontakt, „was in den Vorgehensweisen nicht ganz einfach ist“. Denn die Pädagogin fordert die jungen Frauen und Männer gerne dazu auf, nicht nur an speziellen Puppen zu üben, sondern sich auch selbst zur Verfügung zu stellen, wenn es beispielsweise um den Transfer vom Bett in den Rollstuhl geht. „Dann lernt man auf der einen Seite die Handgriffe und erlebt gleichzeitig, wie sich was anfühlt“, betont Johanna Dumstorff und verweist daneben auf eine Vielzahl an Ausstattungselementen, mit denen die künftigen Pflegefachkräfte Alte und Kranke sowie Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützen. Daneben geht es in simulierten Situationen um eine angemessene Kommunikation. Auch bei allem Stress müsse man sich immer Zeit für ein „Guten Morgen“ und die Antwort auf die Frage „Wie geht es Ihnen“ nehmen. Nicht jeder sei geeignet für die Arbeit. Und wer sie nicht auch mit dem Herzen ausübe, sei fehl am Platz. Professioneller Beistand ist für sie grundsätzlich erforderlich. Pflege hieße auch die Konfrontation mit Leid, Konflikten, Verzweiflung und Tod. Da brauche es eine Supervision, um das Personal psychisch zu entlasten, „das die eigene Gesundheit auf allen Ebenen immer mit einbeziehen muss“, so die Fachpraxislehrerin.

Sie freut sich, dass die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler schon während ihrer Praktika einen Ausbildungsplatz erhalten und zum Teil Karriere gemacht haben. Eine zukunftweisende Nachricht sei auch, dass die BBS Friesoythe ab dem kommenden Schuljahr die dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft anbieten können. Diese Schüler führt Johanna Dumstorff zwar nicht mehr durch die Ausbildung, die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zusammenführt, aber die Resonanz sei da, vom Bedarf ganz abgesehen. Wer sich einmal entschieden habe, den Beruf zu ergreifen, bleibe aus ihrer Erfahrung in den meisten Fällen mit Begeisterung dabei. „Nur die wenigsten orientieren sich um.“

(Text: Claudia Wimberg MT, 20.04.2021 / Bild: cl)